Bretter, die die Welt bewegen

Posted by Jan Hepke on Sep 13, 2018 12:13:47 PM

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Sie ist nicht nur einer der Klassiker in der Logistik, sondern schmückt inzwischen auch unzählige Wohngemeinschaften dieses Landes als Möbelstück - die Europalette.

Die Geschichte der wohl bekanntesten Palette begann vor mehr als 50 Jahren. Im Jahr 1961 beschloss der Internationale Eisenbahnverband (UIC), für ganz Europa  einen genormte Ladungsträger einzuführen. Ziel war, Stauraum effizienter zu nutzen, indem ungeliebte Lücken und nicht genutzte Ecken vermieden werden. Die Europalette war geboren. Eine stapelbare Tauschpalette mit einer Grundfläche von 0,96 Quadratmetern, 120 Zentimeter lang, 80 Zentimeter breit und 14,4 Zentimeter hoch – zusammengehalten von 78 Spezialnägeln.

Die Europalette und der Gabelstapler entwickelten sich zum perfekten Duo in der Logistikbranche. Dank ihnen wurden nicht einmal mehr zehn Prozent der bis dahin erforderlichen Zeit zum Beladen eines Waggons benötigt. Das europäische Transportwesen wurde auf einen Schlag revolutioniert. Gabelstapler und Palette harmonieren vor allem deshalb so perfekt, weil die Europalette vierwegig ist, der Gabelstapler sie also unkompliziert von allen vier Seiten aufnehmen kann. 

Es dauerte nicht lange bis die Erfolgsgeschichte ihre Nachahmer gefunden hatte. Doch die Imitate waren oft aus minderwertigem Holz, splitterten schnell oder bildeten Schimmel. Um einen einheitlichen Qualitätsstandard zu gewährleisten, wurde deshalb im Jahr 1994 der europäische Dachverband European Pallett Association, kurz EPAL, gegründet. Sie vergibt die Lizenzen für die Palettenhersteller und achtet darauf, dass die von der UIC vorgegebenen Normen der DIN EN 13698 Teil 1 von den Produzenten eingehalten werden.

Heute gibt es neben EPAL verschiedene weitere Lizenzsysteme für Europaletten, wie UIC/EUR oder WORLD, erkennbar stets an dem eingebrannten Stempel am linken und rechten Eckklotz der Palette.

Im Rahmen ihrer Prüfaufgabe hat die EPAL ein System zur - auch unangemeldeten – Kontrolle der Lizenznehmer durch unabhängige  Prüfgesellschaften entwickelt sowie ein technisches Regelwerk herausgegeben. Verstöße gegen die technischen Vorgaben und vor allem Fälschungen durch nicht lizenzierte Hersteller wurden verfolgt. Ein eigenes EPAL-Logo wurde als Markenzeichen eingetragen und zeitweise zusammen mit dem UIC-Logo auf den Europaletten eingebrannt.

 

Warum gibt es bei Paletten überhaupt standardisierte Lizenzsysteme?

 

Die moderne und kostenoptimierte Logistik ist ohne den Einsatz von standardisierten Paletten kaum noch denkbar. So orientieren sich die meisten der heutigen Logistiksysteme an deren Abmessungen: von der Ladefläche eines LKW bis zum vollautomatischen Hochregallager, alles ist auf die Europalette abgestimmt.

Darüber hinaus lassen sich standardisierte Paletten bei der Anlieferung austauschen und somit vielfach verwenden. Denn der Lizenzgeber garantiert mit dem Aufdruck seines Logos auf der Palette, dass der jeweilige Ladungsträger bestimmten normierten Qualitätsstandards entspricht. Das gilt zum Beispiel für die Dicke und Art der verwendeten Hölzer oder für Anzahl und Sitz der eingeschlagenen Spezialnägel. So wird für Europaletten zum Beispiel ausschließlich getrocknetes Holz verwendet, um Schimmelbildung zu verhindern.

Außerdem gelten feste Kriterien für den Tausch und die Reparatur der Paletten. Für den Tausch gibt es fest vorgegebene Regeln. Aber Achtung: Nicht alle Systeme lassen sich reibungslos untereinander tauschen

 

 

 

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Welche Arten von Europaletten gibt es?

Neben der klassischen Europalette existiert eine Reihe weiterer Ladungsträger, die für den Versand und die Lagerung von Waren in Frage kommen. Hier eine Übersicht der wichtigsten EUR/EPAL-Paletten:

 

  • EUR/EPAL 1: Der Klassiker und die millionenfach im Umlauf befindliche Standardpalette. Sie bildet mit 80 mal 120 Zentimeter knapp einen Quadratmeter Grundfläche, die maximale Traglast beträgt 1500 kg.

 

  • EUR/EPAL 2: Die sogenannte „Chemiepalette". Sie ist mit 16,2 Zentimeter etwas höher und mit 100 mal 120 Zentimeter auch etwas größer als die Standardpalette. Außerdem hat sie einen umlaufenden Bodenrahmen und kann deshalb auf Ketten oder Rollenbahnen transportiert werden. Ihre Tragfähigkeit gibt die EPAL mit 1.250 kg an.

 

  • EUR/EPAL 3: Das ist die „Internationale Palette". Sie gilt als der neue Standard für Asien und misst wie die Industrie-Palette 100 mal 120 Zentimeter. Als schwerste und breiteste Palette nach internationalen Vorgaben hat sie eine maximale Tragfähigkeit von 1.500 kg. 

 

  • EUR/EPAL 6 und EUR/EPAL 7: Diese beiden Halbpaletten werden auch als „Düsseldorfer Palette" bezeichnet. Mit einer Fläche von nur 80 mal 60 Zentimeter eignen sie sich perfekt für die Warenpräsentation in Supermärkten oder Kaufhäusern. Ihre Tragfähigkeit liegt bei 500 kg. Bei der EPAL 7 verbinden Stahlwinkel und nicht Holzklötze die Boden- und Deckbretter .

 

  • EUR/EPAL Gitterbox: Sie gilt als Europas „Arbeitstier" der Automotive-Industrie. Mit ihrem 97 Zentimeter hohen Stahlrahmen ist die 80 mal 120 cm große Palette leicht zu erkennen. Der Rahmen besteht aus einem Gitter und hat an einer Seite zwei praktische Klappöffnungen. Gitterboxen, die nach 1990 hergestellt wurden, haben eine Traglast von 1.500 kg.

Topics: Logistik, Paletten

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